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26-06-2015 13:30

Im Anlass an die Kennzeichnung des 26.Juni – Internationalen Tages gegen Folter Es ist skandalös, dass der Staat Bosnien und Herzegowina trotz der gerichtlich festgelegten Tatsachen noch immer nicht das Gesetz über Rechte der Folteropfer verabschiedet hat und damit die Existenz der Konzentrationslager und der dort getöteten Opfer leugnet...

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Zusammen mit den Toten kehren auch die Lebenden zurück


In Srebrenica lebten nach der Volkszählung aus dem Jahre 1991  37.211  Personen. Davon waren 72,88 % Bosniaken, 25,21 % waren Serben und 1,91 % Andere.

Über 10.000 Bewohner der Gemeinde Srebrenica wurden während des Krieges getötet und über 18.500 aus ihren Häusern vertrieben. Die Mehrheit  der Ermordeten, Vertriebenen und Umgesiedelten, sogar 90 % waren Bosniaken.

In Srebrenica leben im Moment zwischen 7.000 und 10.000 Menschen, mehrheitlich Serben, was nur 25 % der Vorkriegseinwohnerzahl ausmacht. Sie leben konzentriert in drei grossen Bezirkskreisen: Srebrenica, Skelani und Potocari, in denen vor dem Krieg 53,29 % der Einwohner des Bezirks Srebrenica gelebt hatte und in denen heute sogar 80,92 % der Gesamtbevölkerung Srebrenicas lebt. Die Zahl der Einwohner hat einen abfallenden Trend. Serben, die während des Krieges aus anderen Orten zugezogen sind, müssen der Umsetzung der Eigentumsgesetze wegen die Stadt verlassen. Im Moment leben noch ca. 370 dieser Familien in der Stadt. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Situation, der zerstörten Wirtschaft und der Unmöglichkeit eine Arbeitsstelle zu finden, verlassen sogar einheimische Serben, grösstenteils junge Leute, die Stadt vorübergehend oder auch für immer, um woanders nach Arbeitsmöglichkeiten zu suchen. Von den 9.000 Serben, die vor dem Krieg in Srebrenica gelebt haben, sind heute nur etwa 3.500 – 4.000 dort noch anwesend.  


Nach der Grundsteinlegung für den Bau des Gedenkzentrums für die ermordeten Srebrenica-Opfer begann im Juli 2001 die Rückkehr der im Juli mit schrecklichen Verbrechen Vertriebenen nach Srebrenica und in die umgebenden Dörfer an. Unter den Rückkehrern machen die meiste Zahl ältere Frauen, Mütter aus, die in der Nähe des Friedhofs beim Gedenkzentrum in Potocari sein möchten, um mit Gebeten den ermordeten Söhnen den Respekt aussprechen zu können. Schätzungen zufolge leben heute in Srebrenica etwa 3.500 Rückkehrer. Ein Teil dieser Menschen lebt dort jedoch nur während der Frühlings- und Sommermonate. Die Wintermonaten verbringen sie bei Verwandten in der Föderation von BiH, da das Leben in vielen Dörfern von Srebrenica in den Wintermonaten ohne Strom, Wasser und befahrbare Strassen unmöglich ist. Nur ein kleiner Teil der Rückkehrer ist auch in Srebrenica registriert. Mit der Wohnanmeldung in Srebrenica würden viele der überlebenden Frauen und Mütter den Anspruch auf Rente und günstigere Krankenbehandlung verlieren, so dass ihre offizielle Wohnanschrift noch immer auf Orte in der Föderation von BiH lautet.

Der Grossteil der Rückkehrer lebt in den Srebrenica-Dörfern, von denen einige sogar mehrere Stunden Fahrt von der Stadt Srebrenica entfernt liegen. Nur wenige Rückkehrer durften auch in die Stadt Srebrenica zurückkehren.
Für die meisten Kinder sind Schulen unerreichbar weit entfernt. Nur wenige Dörfer haben eigene Schulen, und auch wenn es solche gibt sind es Schulen nur für die 1 – 4. Klasse der Grundschule. Für die weitere Schulung müssen die zurückgekehrten Kinder jeden Tag nach Srebrenica fahren. Nur zu einigen Dörfern gibt es einen Schulbus, der die Kinder abholt und zurückfährt. Viele laufen jeden Tag mehrere Kilometer zu Fuss.

Die erste Massenrückkehr nach Srebrenica war ja gerade die Rückkehr der Toten. Dies geschah am 31.März 2003, als 602 exhumierte und identifizierte Opfer, deren Überreste man in ca. 100 Massengräbern zwischen Srebrenica und Kladanj gefunden hatte, beerdigt wurden.

Bisher wurden etwa 275 Massengräber im Drina-Tal gefunden, die meisten in der Umgebung von Srebrenica. Darin wurden Körperteile von etwa 7.000 Opfern gefunden, von denen bereits  6.182 identifiziert wurden. Ein grosser Teil der exhumierten Opfer besteht jedoch nur aus ein paar Teilen des Gesamtskeletts, so dass die Beerdigung dieser Opfer erst dann erfolgen wird, wenn auch weitere Skelettteile gefunden und identifiziert werden.  Auch dieses Jahr wurden auf dem Friedhof der Gedenkstätte in Potocari am 11. Juli 2009,  weitere 534 Opfer beerdigt. Damit sind dort bis jetzt insgesamt 3 827 der etwa 8376 vermissten Opfer beerdigt.

Srebrenica ist heute eine vergessene, verelendete, von den Tätern dominierte Stadt in der „ethnisch gesäuberten“ serbisch regierten Hälfte Bosniens, der so genannten Republika Srpska. Von den 19 473 Mittätern von Srebrenica, die von einer Sonderkommission der Regierung der Republika Srpska im Oktober 2005 registriert wurden, üben mindestens 810 heute noch unbehelligt öffentliche Ämter in Srebrenica und der Republika Srpska aus. Einer der Hauptverantwortlichen für den Genozid in Srebrenica, Ratko Mladic, ist noch immer auf freiem Fuß und hält sich höchstwahrscheinlich in Serbien auf.

Die Vertreter der internationalen Gemeinschaft (SFOR, OHR, IPTF, OSCE) haben die Stadt verlassen und ihre Büros nach Bratunac umgesiedelt. Ihre Rückkehrpolitik ist völlig gescheitert, weil sie den Rückkehrern weder Sicherheit noch spürbare ökonomische Hilfe gewähren können. Hilfswerke haben sich auch zurückgezogen, es gibt nur wenige Lebensmittelgeschäfte in den 59 Bergdörfern in der Umgebung von Srebrenica, im  städtischen Krankenhaus ist nur eine ambulante Behandlung möglich. Nur etwa 1.700 der rund 6.500 zerstörten Häuser der Bosniaken wurden wieder aufgebaut.


Srebrenica wirkt heute mit den zerstörten Häusern, den zerschlagenen Fensterscheiben, ohne Geschäfte mit beleuchteten Schaufenstern, ohne die Möglichkeit die notwendigsten Lebensmittel oder Hausmobiliar zu kaufen, gespenstisch, die Stadt ist voller Müll, den man seit Beginn des Krieges nicht mehr entsorgt.
Auf dem Gebiet der Gemeinde gibt es keine lokalen Medien, der Radio- und Fernsehempfang ist sehr schlecht (in einigen Teilen der Gemeinde gibt es überhaupt keinen Empfang der Medien aus Bosnien und Herzegowina) wie auch keine Presse Bosnien-Herzegowinas.
Die Telefondienste (veraltete analoge Telefonzentrale) sind sehr schlecht, noch schlechter, dafür jedoch um so teurer, ist der Internetzugang in Srebrenica. Zugängig ist er nur einer kleinen Gruppe von Nutzern.  
Es gibt in Srebrenica kein Kino, kein Theater wie auch kein klassisches Restaurant, keine Buchhandlung.
In Srebrenica selbst gibt es keine Bäckerei und Brot und Brotwaren sind nur morgens in den wenigen Geschäften zu finden. In der gesamten Stadt gibt es kein Schuhgeschäft, kein Geschäft mit technischen Geräten oder Haushaltswaren, keine Möbelgeschäfte...


Viele würden sich von solch einem Srebrenica gerne lösen oder es aus ihrem schmutzigen Gewissen, wenn es schon aus dem Atlas nicht geht, gerne auslöschen. Eine richtige Lösung für eine Veränderung zum Besseren gibt es in Srebrenica seit Jahren nicht, trotz der vielen schönen Geschichten und Versprechnungen an verschiedenen Niveaus, begonnen bei den UNO und anderen internationalen Organisationen und Institutionen bis zum Entitätsniveau. Die Srebrenica-Einwohner wurden bis jetzt so häufig enttäuscht und betrogen, besonders diejenigen, die nach Srebrenica zurück gekehrt sind, so dass sie neimandem mehr aufs Wort glauben, auch dann nicht, wenn es vielleicht um gute Absichten geht.
Die Vereinten Nationen haben aus den im Krieg gemachten Fehlern, welche Tausende von Srebrenica-Einwohnern das Leben gekostet haben, keine Lehren gezogen. Sie machen auch heute Fehler bei ihrem Entwicklungsprogramm für Srebrenica bzw. auch für die benachbarten Gemeinden Bratunac und Milici.


Noch immer gibt es keine regelmässige Busverbindung zwischen Srebrenica und den umliegenden Dörfern, der Verkehr läuft nur mit PKWs, LKWs oder Pferdegespannen ab.

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