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26-06-2015 13:30

Im Anlass an die Kennzeichnung des 26.Juni – Internationalen Tages gegen Folter Es ist skandalös, dass der Staat Bosnien und Herzegowina trotz der gerichtlich festgelegten Tatsachen noch immer nicht das Gesetz über Rechte der Folteropfer verabschiedet hat und damit die Existenz der Konzentrationslager und der dort getöteten Opfer leugnet...

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Projekt der Genozidprävention - April 2009

Bosnische Genozidüberlebende gegen Genozid weltweit
April – Monat der Genozidprävention
 
Im Rahmen der internationalen Kampagne "Genocide Prevention Project" und "Genocide Prevention Month"  hat die Gesellschaft für bedrohte Völker – BiH in Zusammenarbeit mit den Organisationen „Youth Initiative for Human Rights“, „Bildung bat Bosnien und Herzegowina auf“ und „Kinder – Säulen der Welt“ am 6.April 2009 in Sarajevo eine Menschenrechtsaktion organisiert, bei der die Verhaftung der für den Genozid in Bosnien und Herzegowina verantwortlichen Täter mit General Ratko Mladic an der Spitze wie auch die sofortige Beendigung der Massenverbrechen und der Genozide weltweit und ganz konkret in Darfur gefordert wurde.   
 
Die Kampagne "Genocide Prevention Project" der gleichnamigen US-Organisation hat Ende 2008 begonnen mit dem Ziel, die Weltöffentlichkeit zu mobilisieren und die UNO und die Grossmächte dazu zu bewegen, konkrete und effektive Genozidprävention zu betreiben, auch dann wenn die Verantwortlichen für den Genozid staatliche Regierungen sind. Der Monat April hat eine zentrale Bedeutung in der Kampagne, da in diesem Monat alle sechs  anerkannten Genozide aus dem 20.Jahrhundert Gedenkfeiern abhalten. So hat am 7.April 1994 der Genozid an den Tutsi in Ruanda begonnen, am 17.April 1975 begannen in Kambodscha die Massenhinrichtungen der Armee der Roten Khmer, am 20.April, dem Jahrestag des Aufstandes im Warschauer Ghetto, wird der Holocaust-Tag gekennzeichnet, am 24.April gedenkt man der armenischen Genozidopfer im Anlass an die Verhaftung von 250 armenischen Intelektuellen und deren Deportation oder Hinrichtung im Jahre 1915. Im April 2003 wurden die Verbrechen in Darfur verstärkt und grosse Menschenmassen flüchteten in den Tschad.
Der Krieg und damit auch der Genozid in Bosnien und Herzegowina hat am 6.April 1992 mit der Anerkennung der Souveränität und Unabhängigkeit durch die UN begonnen, als die Jugoslawische Volksarmee zusammen mit Truppen der bosnischen Serben zahlreiche Städte einnahm oder sie, wie im Falle von Sarajevo, in Besatzung setzte. Die Besatzung Sarajevos gehört zu den längsten in der modernen Militärgeschichte und hat insgesamt 1479 Tage gedauert. In Sarajevo sind über 11.500 Menschen durch die Besatzer ermordet worden, darunter auch mindestens 1.500 Kinder. Dutzende Tausender Menschen sind verletzt und verwundet worden. Die Stadt wurde täglich mit Schwerartillerie beschossen und durch Scharfschützen terrorisiert, wobei gezielt auf Zivilisten in Schulen, Krankenhäusern, Wohnhäusern, auf der Strasse geschossen wurde. Die Bevölkerung wurde ausgehungert und die Zufuhr von Wasser, Strom und Gas blockiert. Die meisten Menschen starben, als sie in Schlangen für Wasser, Brot oder andere humanitäre Hilfe anstanden oder auf Friedhöfen, als sie ihre ermordeten Angehörigen beerdigen wollten.

Die Aktion in Sarajevo am 6.April 2009 hatte das Ziel der Opfer des Genozids in Bosnien und Herzegowina zu gedenken und die Weltöffentlichkeit daran zu erinnern, dass sich solche Verbrechen niemals und nirgendwo auf der Welt wiederholen dürfen. In Zusammenarbeit mit Jugendlichen aus der Organisation „Youth Initiative for Human Rights“ (YIHR) wurde zu diesem Anlass eine der „Sarajevo Rosen“ im Stadtzentrum erneuert. Es handelt sich dabei um den Ort des Massakers in der Strasse Ferhadija vom 27.Mai 1992, als 26 Menschen, die für Brot anstanden, durch eine von den serbischen Stellungen abgefeuerte Bombe ermordet und weitere 108 dabei verwundet wurden. Nach dem Krieg wurde der Einschlagkrater mit roter Farbe ausgefüllt, um damit den Ort des Verbrechens zu kennzeichnen und an die Opfer zu erinnern. Aktivisten der YIHR aus Serbien, Montenegro, Kroatien und Bosnien-Herzegowina haben gemeinsam diese Rose wieder mit roter Farbe ausgemalt. Ihre Botschaft war, dass sie die Unterstützung der Verbrecher durch ihre Regierungen, vor allem Serbien und Montenegro, verurteilen und dass diese Regierungen die Täter und Verantwortlichen überführen und sanktionieren müssen.

Nach dieser öffentlichen Performance wurde auch eine Pressekonferenz abgehalten, bei der die überlebenden Opfer des Genozids in Bosnien und Herzegowina, darunter die Mütter aus Srebrenica, die überlebenden Lagerhäftlinge, Frauen – Opfer planmässiger Misshandlung und Vergewaltigung, Vertriebene und Angehörige der ermordeten Opfer gemeinsam die Botschaft an die Weltöffentlichkeit und die Weltmächte aussandten, dass der Genozid in Darfur wie auch alle Massenverbrechen auf der gesamten Welt sofort gestoppt werden und die Verantwortlichen sanktioniert werden müssen.
Fadila Memisevic, Direktorin der Gesellschaft für bedrohte Völker – Bosnien und Herzegowina erklärte bei der Pressekonferenz: „Wir möchten hiermit eine Botschaft an die Weltöffentlichkeit und besonders an die Vereinten Nationen aussenden, dass sie präventiver handeln müssen, damit sich Genozid niemals und nirgends wiederholt.
Wer hätte auch nur ahnen können, dass wir 50 Jahre nach dem „Niemals wieder“, nach Ausschwitz, Treblinka, Matthausen und Sachsenhausen, wieder Konzentrationslager, Massenvertreibung, Massenermordung und Massenvergewaltigung und Genozid erleben werden. Aber es hat sich wiederholt – in Bosnien und Herzegowina, im Herzen Europas.
Noch immer suchen die Mütter aus Srebrenica nach den Überresten ihrer Liebsten, die in Massengräbern in ganz Drina-Tal (Ostbosnien) zerstreut liegen, um sie nach menschlichem und Gottes Gesetz zu beerdigen, damit sie endlich ihren Frieden finden können. Im Juli 1995 wurden nach dem Einmarsch der Mladic-Truppen über 8.000 Männer und Knaben aus Srebrenica, allesamt Zivilisten, liquidiert und in Massengräbern verscharrt.
Heute senden wir eine starke Forderung an alle Regierungen des ehemaligen Jugoslawiens aus, dass Verantwortliche für den Genozid in Bosnien und Herzegowina wie General Ratko Mladic verhaftet und an das ICTY in Den Haag überführt werden müssen. Gleichzeitig möchten wir unsere starke Solidarität mit allen anderen Überlebenden der Genozide weltweit und ihren Forderungen für die Verhaftung von Verantwortlichen für die Verbrechen im Irakisch Kurdistan, in Kambodscha, Ruanda und Darfur ausdrücken.“ 

Zahlreiche Medien aus der Region und aus der ganzen Welt haben über diese Aktion berichtet.  Im Rahmen der Kampagne „Genocide Prevention Project“ wurden im Laufe des Monats April über 250 Gedenkfeiern und Protestaktionen weltweit organisiert, darunter in allen Ländern, in denen Genozid begangen wurde, aber auch in allen Teilen der USA. 


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