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26-06-2015 13:30

Im Anlass an die Kennzeichnung des 26.Juni – Internationalen Tages gegen Folter Es ist skandalös, dass der Staat Bosnien und Herzegowina trotz der gerichtlich festgelegten Tatsachen noch immer nicht das Gesetz über Rechte der Folteropfer verabschiedet hat und damit die Existenz der Konzentrationslager und der dort getöteten Opfer leugnet...

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Das  Leiden  der  Roma  Bosniens  und  Herzegowinas  während des Krieges von 1992 – 1995


Vor dem Krieg lebten die Roma meist im Gebiet der heutigen Republika Srpska. Im Angriffskrieg waren sie wie die Bosniaken Vertreibungen, Deportationen, Ermordungen und der Folter ausgesetzt. Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass Roma zusammen mit anderen in Konzentrationslagern gefangengehalten wurden. Besonderes Leid erfuhren die Roma aus Prijedor und den umliegenden Dörfern (Kozarac, Hambarine, Tukovi, Rizvanovici) wie auch Vlasenica, Rogatica und Srebrenica. In Srebrenica wurden beim Fall dieser Stadt 70 Roma Opfer eines Massakers.

Die Aussage von B.O. aus Srebrenica: „Ich komme aus Srebrenica. 1995 wurde in Srebrenica ein Massaker an 70 Roma begangen. Unter den Ermordeten war auch mein Schwager Mustafa Beharic. Gleichzeitig wurden im Dorf Skelani – 10 km entfernt von Srebrenica – noch 50 Roma getötet, darunter auch die beiden Söhne meiner Schwester, Beharic Mujo und Beharic Haso. In Skelani wurden noch vier weitere meiner Verwandten aus der Familie Mehic durch die Arkan-Männer getötet. Gleichzeitig wurden auch in den Roma-Siedlungen Bjelovac (Bratunac) und Drinjaca (14 km entfernt von Zvornik) Massaker verübt. Die Roma erlitten besonders viel Leid in Potocari, wo auch mein Sohn und mein Bruder getötet wurden.“

In Miljkovci bei Doboj befand sich ein Konzentrationslager, in dem mehr als 300 Roma gefangengehalten wurden.
Unter den gefangenen Roma befand sich auch die Familie von A.E. aus Modrica: Vater, Mutter und acht Kinder. Hier nur ein Auszug aus der Aussage von A.E.:
„In diesem Lager – dies war ein großer Lagerraum – waren ca. 700 Menschen, davon 300 Roma. Meine älteste Tochter H. war 13 Jahre alt. Vor unseren Augen wurde sie ständig vergewaltigt. Meine Ehefrau musste danach Kaffee kochen und die Tschetniks bedienen. Ich musste die Leichen der getöteten Menschen in den Fluss Bosna werfen. Ich warf sie runter wie Baumstämme; ich durfte weder hinschauen noch etwas fragen. An einem Tag habe ich 120 Leichen getöteter Menschen, die ich in den Fluss werfen musste, zählen können. Ich wartete darauf, an die Reihe zu kommen...“ – August 1992. Die Aussage von A.E. befindet sich in der Dokumentation der Bosnischen Sektion der Gesellschaft für bedrohte Völker unter der Nummer 86 / 94.

In Bijeljina waren Roma die ersten Opfer der Truppen Arkans. So wurde am 03.04.1992 Zehudin Hasimovic getötet. Er wurde bei der Polizeistation in der Straße Jozef Konkala in der Nähe der Roma-Siedlung Sljunkara von Arkans Trojka verwundet. Mit einer Flasche Konjak in den Händen wurde er getötet.  Seine Frau und fünf Kinder blieben ohne Ehemann und Vater.
Die Aussage befindet sich in der Dokumentation der Bosnischen Sektion der Gesellschaft für bedrohte Völker unter der Nummer 199 / 95.

Aus dem Dorf Skocic bei Zvornik wurden alle Roma vertrieben, anschließend wurden dann die Kinder von den Müttern getrennt. Die Familie Aganovic vermisst fünf Kinder im Alter von 5 bis 15 Jahren, die alle entführt wurden. Das gleiche Schicksal erlitt auch die Familie Ribic, die acht Kinder hatte. Es wird angenommen, dass sich diese Kinder in Sabac und Krusevac unter falschem Namen befinden. So wurden die beiden minderjährigen Mädchen Aganovic Izeta (14) und Aganovic Safeta (16) in die erwähnten Städte gebracht und dort zwangsverheiratet. Sie erhielten auch serbische Namen. Nach zwei Jahren konnten ihre Eltern die beiden dann über das Internationale Rote Kreuz  ausfindig machen und in den Familienkreis zurückbringen.

Das Ehepaar Milkic wurde im eigenen Haus massakriert. Die Familie Milkic war eine der reichsten in ganz Bijeljina.
Im Haus vom Hamid Ribic massakrierten die Tschetniks im Mai 1994 sechs Roma-Familien und zwar die Familien von: Aganovic Mehmed, Nuhanovic Arif, Ribic Ismet, Ribic Biber, Ferhatovic Bisera und Bajric Dzemila.
Die Aussage befindet sich in der Dokumentation der Bosnischen Sektion der Gesellschaft für bedrohte Völker unter der Nummer  206 / 95.

Die Roma, die im Gebiet der heutigen Föderation von Bosnien und Herzegowina lebten, haben das Land zusammen mit der Armee Bosniens und Herzegowinas verteidigt. Im Rahmen der Armee Bosniens und Herzegowinas gab es eine Sonderbrigade, die ausschließlich aus Roma bestand. Sie hieß “Garava brigada” (die “rußige” Brigade).

Die Anpassungsfähigkeit der Roma an das  soziale Millieu hat in den Kriegszeiten dazu geführt, dass sie sich den Armeen anschlossen, die in ihren Wohnorten dominant waren. Diese Tatsache resultiert aus ihrer innerlichen Spaltung aber auch aus zusätzlichen Umsiedlungen. Als Beispiel für diese Behauptung führen wir das Dorf Jasenje in der Gemeinde Bijeljina an. In diesem Dorf lebten vor dem Krieg ca. 500 Roma. Der Krieg hat wegen der Angehörigkeit zu verfeindeten Armeen zu vollkommener Spaltung der Roma-Bevölkerung geführt. Am Anfang des Krieges trat der Großteil der Roma-Bevölkerung dieses Dorfes in die serbischen Militärformationen aus dem Grund ein, da das Dorf mehrheitlich serbisch war.
Dieses Dorf wurde aber später durch den Lauf der Dinge der Föderation von Bosnien und Herzegowina zugesprochen, so dass die Familien, die die “serbische Seite” unterstützt hatten, aus dem Dorf wegzogen und noch heute den Status von Flüchtlingen haben. Sie verweigern auch heute die Rückkehr in ihre Vorkriegshäuser, da sie Angst haben, man könnte sie ihrer früheren Unterstützung der serbischen Militärformationen wegen schikanieren.

Auf der anderen Seite nahm der Krieg als solcher viel Einfluss auf die sehr starke Umsiedlung der Roma-Bevölkerung, die durch Vertreibungen bedingt war: Zwang zur Flucht, um die physische Existenz zu sichern.

„Dank“ der Auswirkungen dieser verschiedenen Faktoren kann die Situation dieser ethnischen Minderheit heute als alarmierend bezeichnet werden. So lebten beispielsweise im Gebiet der heutigen Republika Srpska vor dem Krieg mehr Roma als im Gebiet der heutigen Föderation von Bosnien und Herzegowina. Heute leben in der gesamten serbischen Entität nur wenige Hundert Roma-Familien. Im Gebiet der Föderation, in dem während des Krieges die Armee HVO und nun die Partei HDZ dominiert, konnte ebenfalls eine Massenaussiedlung der Roma-Bevölkerung (besonders in Städten wie Jajce, West-Mostar, Livno und Tomislavgrad) verzeichnet werden. Die Richtungen ihrer vom Krieg verursachten Völkerwanderung sind sehr verschieden. In der Regel kann man von zwei solchen Richtungen sprechen: Die eine führt ins Ausland, vor allem nach Deutschland, in die Schweiz, nach Italien, Holland, Belgien und Schweden und die andere verzweigt sich in die verschiedenen Gebiete der Föderation von Bosnien und Herzegowina. Wir müssen jedoch betonen, dass sich die Mehrheit von ihnen in den Tuzla – Podrinje Kanton angesiedelt hat. Die Konzentration der Roma in diesem Kanton kann mit der Unmöglichkeit der Rückkehr in ihre Häuser in Bijeljina, Ugljevik, Zvornik und Brcko, in denen sie gelebt haben, erklärt werden, jedoch auch mit dem Bedürfnis nach einer Ansiedlung in Orte, die ihren Vorkriegsorten am nächsten sind, damit sie schnell und einfach wie möglich in ihre Häuser zurückzukehren können, wenn die Bedingungen dafür geschaffen sind.

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