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26-06-2015 13:30

Im Anlass an die Kennzeichnung des 26.Juni – Internationalen Tages gegen Folter Es ist skandalös, dass der Staat Bosnien und Herzegowina trotz der gerichtlich festgelegten Tatsachen noch immer nicht das Gesetz über Rechte der Folteropfer verabschiedet hat und damit die Existenz der Konzentrationslager und der dort getöteten Opfer leugnet...

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Buchvorstellung „Gespräch einer Mutter mit ihrem getöteten Sohn im belagerten Sarajevo“ der Autorin Emira Ibrahimagic 

Zusammen mit dem Bosniakischen Intelektuellenrat und dem Bosniakischen Institut haben wir am 16.12.2009 in den Räumen des Bosniakischen Instituts – Stiftung Adil Zulfikarpasic das Buch „Gespräch einer Mutter mit ihrem getöteten Sohn im belagerten Sarajevo“ vorgestellt. Das Buch wurde von der Bosnischen Sektion der Gesellschaft für bedrohte Völker – BiH auf Bosnisch und Englisch (zweisprachige Ausgabe) herausgegeben. Vorgestellt wurde das Buch durch Prof.Dr. Salih Foco (Professor der Soziologie an der Philosophischen Fakultät in Sarajevo), Prof. Dr. Enver Kazaz (Professor an der Philosophischen Fakultät in Sarajevo, Literaturkritiker), Fadila Memisevic und die Autorin – Emira Ibrahimagic. Das Buch stellt die Aufzeichnungen von Emira Ibrahimagic nach dem Tod ihres neunjährigen Sohnes Samir im September 1992 vor. In den beinahe täglichen Briefen, die sie an den toten Sohn Samir schreibt, findet sie Trost und dies erhält sie am Leben. Ausserordentlich wertvoll macht dieses Buch auch die sehr detaillierte Beschreibung der Lebensumstände in der belagerten Stadt. 

Hier ein Auszug aus dem Buch:


Ständig denke ich an dich     -    10.10.1992


   Es fällt mir immer schwerer, ohne dich zu sein. Ich weiss selbst nicht, ob ich so weiterleben kann. Mein Herz möchte nur noch platzen. Ich bitte Gott, mir zu helfen, dies auszuhalten. Omer kritisiert mich wegen Samra. Vielleicht bin ich ungerecht ihr gegenüber.
   Alles ist so leer ohne dich. Tot. Gestern abend haben wir versucht, die Monotonie etwas zu durchbrechen und haben nach der Anleitung in [der Zeitung] Oslobodjenje Papierbriketts für das Heizen angefertigt. Wir haben einen ganzen Haufen davon gemacht. In diesen Momenten habe ich mir vorgestellt, mit welcher Begeisterung du dies getan hättest.
   Ansonsten ist das Leben immer schwerer. Es gibt einfach nichts anderes zu essen ausser Nudeln und Reis, die wir schon so satt haben, dass mir beim blossen Gedanken an die schlecht wird.
   Du erinnerst dich noch, wie sehr du die Karrikaturen auf der zweiten Seite in Oslobodjenje mochtest. Gestern gab es eine über die UN-Resolution [über Menschenrechte]. Es war ein Kater gezeichnet, wie er mit gestrecktem Schwanz liegt und an den Schwanz gebunden waren alle bisherigen Resolutionen der Vereinten Nationen. Du kennst ja unseren Spruch: „Hänge dies an den Katerschwanz auf“ (vergleichbar mit dem deutschen Sprichwort: „Hoffen und harren macht manchen zum Narren“). So denken auch Milosevic und Karadzic.
   Wenn du nur wüsstest, mein lieber Sohn, wie sehr sie uns quälen. Wir haben kein Strom, kein Wasser, und ohne Wasser ist es am schlimmsten. Sie wollen uns so abstumpfen und zerstören... Gott gibt uns zumindest Regen, so dass wir Regenwasser in verschiedenen Behältern sammeln, aber dieses ist so schutzig, dass es nur für die Toilette verwendet werden kann...
   Elvir von Tante Behka ist noch immer im Tschetniklager (Gefängnis). Sie und Jakub sind verzweifelt, sie weinen nur. Ich habe sie getröstet mit den Worten: „Dein Elvir ist am Leben und du kannst noch hoffen, dass er kommt, aber kann ich denn hoffen, dass mein Samir kommt?“
   Mein Sonnenherz, ich glaube, ich sterbe ohne dich. Mein Leben ist einfach eine Null ohne dich. Ich denke und denke und denke nur an dich.


Die Tschetniks greifen immer mehr an und beschiessen uns ständig. Es wurde eine Resolution verabschiedet, dass keine Flugzeuge mehr eingesetzt werden dürfen, sie setzen sie jedoch weiter ein. Heute haben sie Gradacac, das freie Territorium von Brcko und Gracanica bombardiert. Welcher Nutzen von der Resolution... Jeden Tag gibt es viele Opfer, meist durch die Bombenangriffe. 

 
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